Tanzbildung

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TANZ – TEILHABE – TRANSFER

„Tanz in der Frühen Kindheit“

Dritte Fachtagung der Reihe „Tanz in der Kindheit“ an der KatHO und der Deutschen Sporthochschule Köln

Am 19. und 20. Januar 2019 fand die dritte Fachtagung der Reihe „Tanz in der Kindheit“ mit dem Themenschwerpunkt „Tanz-Teilhabe-Transfer in der Kindheit“, welche die KatHO gemeinsam mit der Deutschen Sporthochschule Köln, der Stiftung Crespo Foundation Frankfurt sowie dem Verein Elementarer Tanz Köln veranstaltete.

Inhaltlich erwartete die Teilnehmer*innen an diesen beiden Tagen, eine bunte Mischung aus theoretischen Fachvorträgen, Diskussions- und Expert*innenrunden sowie fachpraktischen Workshops. 

Checkübergabe der Volksbank Köln Bonn Spende

In seiner Begrüßung zeigte sich Dekan Prof. Dr. Michael Ziemons hoch erfreut über die Kooperation des Fachbereichs mit anderen Kölner Hochschulen und bundesweiten Institutionen. Hr. Prof. Dr. Michael Obermaier konkretisierte in seiner Begrüßung, neben der Vorstellung der teilnehmenden Kooperationspartner, die zentralen Zielsetzungen der Fachtagung, die u.a. in der Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen tanzaffinen Akteuren und Institutionen sowie der Institutionalisierung des Konzeptes „KitaTanz“ in der Ausbildung von kindheitspädagogischen Fachkräften bestehen. Bereits 2017 wurde das von der Crespo Foundation Frankfurt geförderte und von der Universität Mainz positiv evaluierte Konzept „KitaTanz“ als konkretes Handlungsfeld in die kindheitspädagogischen Studiengänge als Handlungsfeld implementiert. Ein besonderer Dank galt der Volksbank Köln Bonn, vertreten durch den Regionalcenterleiter Hr. Till Arens, für die großzügige monetäre Unterstützung der Fachtagung. 

Prof.‘in Dr. Vanessa-Isabelle Reinwand-Weiss 

Inhaltlich eröffnet wurde die Fachtagung durch den Vortrag „Kulturelle Bildung – Theorie, Praxis und Strukturen“ von Fr. Prof.‘in Dr. Vanessa-Isabelle Reinwand-Weiss (Präsidentin Bundesakademie für Kulturelle Bildung Wolfenbüttel e.V., Prof.’in für Kulturelle Bildung Universität Hildesheim). Sie deutete „Kulturelle Bildung“ einerseits bildungstheoretisch, andererseits auch politisch; so wurde die gedankliche Bewegung weg von der sog. „Hochkultur“ hin zur „Teilhabe“ begrifflich luzide und argumentativ stringent grundgelegt. 

Der darauf folgende Impulsvortrag von Fr. Jun.-Prof.‘in Dr. Denise Temme (Institut für Tanz und Bewegungskultur, Deutsche Sporthochschule Köln), in dessen Rahmen nun auch didaktische Fragen erwogen wurden, fokussierte die gegenstandsbezogenen Didaktik im Tanz. Pädagogisches Wissen sei, so Temme, durchaus als reflektiertes künstlerisches Wissen zu verstehen; insofern gelte gerade hier, dass das Ungewisse von Bildungsprozessen nicht „eilig loszuwerden“ (Meinberg) sei. 

Prof.‘in Dr. Heike Wiemert (KatHO NRW, Abt. Köln

Am Nachmittag referierte Fr. Prof.‘in Dr. Heike Wiemert (KatHO NRW, Abt. Köln) zu Teilhabechancen in „Dancing Classrooms“. Neuralgischer Befund ihrer Auswertungen einschlägiger statistischer Daten war, dass das Interesse an Kultureller Bildung – vermutlich, gerade weil sie hauptsächlich in der Schule stattfindet – bei vielen Jugendlichen abnimmt, obgleich seit 2005 von einem „Förderboom“ in diesem Bereich gesprochen werden kann. In diesem Zusammenhang erinnerte sie an das Zugleich von Teilhabe und Teilgabe.  

Prof.‘in Dr. Yvonne Hardt im Gespräch mit Sabine Odenthal und Prof. Dr. Michael Obermaier

Anschließend reflektierte Fr. Prof.‘in Dr. Yvonne Hardt (Prof.’in für angewandte Tanzwissenschaft und Choreografie, Hochschule für Musik und Tanz Köln) Konzepte der Partizipation im Tanz. Die Trias „vom Teilnehmen über Teilhaben zum Teilgeben“ bildete den begrifflichen Ausgangspunkt ihrer Reflexionen und so wurde auch hier deutlich, dass politische Aspekte von entscheidender Bedeutung sind, wenn statt der systematischen Einholung von Kritik, die das bestehende System nur stabilisiert, eine „affizierende Vision“ notwendig erscheint. 

Moderation Rita Molzberger
Expertinnenrunde

Insgesamt spiegelten die Fachbeiträge des ersten Tagungstages eindrücklich wider, wie breit das Spektrum der wissenschaftlichen, künstlerischen und dezidiert vermittlungsorientierten Zugänge zu Kultureller Bildung im Allgemeinen und Tanz bzw. tänzerischer Bewegung im Speziellen ist. Die unterschiedlichen Sichtweisen blieben dabei keineswegs unverbunden nebeneinander stehen, sondern zeigten sich als eng verzahnt. Gerade die Fragen des Zusammenhangs von künstlerischen und pädagogischen Aspekten sowie deren wissenschaftlichen Rahmung  wurden angeregt diskutiert. Dem lebendigen Austausch zwischen den Tagungsteilnehmer_innen und den Referentinnen dienten zwei von Fr. Rita Molzberger (wiss. Mit. im Department Bildungsphilosophie, Anthropologie und Pädagogik der Lebensspanne Universität zu Köln) moderierte Sequenzen zwischen den beschriebenen Vorträgen. 

Der erste Tagungstag endete mit einer Talkrunde, in welcher Expertinnen aus dem Feld über aktuelle Förderlinien für Projekte Kultureller Bildung in einen Dialog traten.  Deren Teilnehmerinnen waren Fr. Ulrike Münter (Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung), Fr. Linda Müller (Vorsitzende des Bundesverbands Tanz in Schulen e.V.), Fr. Martina Ketterer (NRW Landesbüro Tanz e.V.), Fr. Cora Stein (Projektreferentin der Crespo Foundation) sowie Fr. Krystyna Obermaier (Vorsitzende des Elementaren Tanz e.V. Köln). Eindrücklich zeigte die Talkrunde auf, wie wichtig Informationstransfer und Vernetzung gerade im Feld der Kulturellen Bildung sind, um diesen zentralen Bereich menschlicher Sinnstiftung ein entsprechendes wissenschaftlich fundiertes Fundament zu verleihen.

Der zweite Fachtag fand nicht in den Räumlichkeiten der KatHO Köln, sondern in den geschichtsträchtigen Sporthallen und dem Musikalischen Forum (Mufo) an der Deutschen Sporthochschule Köln statt, da der zweite Tag der konkreten Bewegungspraxis gewidmet war. Er eröffnete den Teilnehmer*innen sowohl am Morgen als auch am Nachmittag Wahlmöglichkeiten – je nach individueller Interessenlage. Zunächst bestand die Wahl zwischen den Workshops „Einblick in die Erfahrungswelt des Kindes. Entwicklung begleiten – Tänzerische Umsetzungsmöglichkeiten“ von Fr. Nira Priore Nouak (M.A.
Zeitgenössische Tanzpädagogin, Lern- und Entwicklungsbegleiterin, Staatstheater Darmstadt) und „Improvisationsansätze für Vor- und Grundschulkinder“ von Fr. Sabine Odenthal (Tanzpädagogin, Gymnastiklehrerin, Leitung des Tanzstudios Odenthal, Hürth). Am Nachmittag lud Fr. Hanna Keßeler (Dipl. Rhythmikerin und Bewegungspädagogin nach Franklin-Methode, Hochschule für Musik und Tanz Köln) zu einer Auseinandersetzung mit kreativem und multisensorischem Umgang mit Soundshapes ein. Fr. Krystyna Obermaier (Dipl. Sportwissenschaftlerin, Dipl. Choreografin und Tanzpädagogin, Elementarer Tanz Köln) gestaltete zeitgleich das Angebot „Methodisch-didaktische Ansätze im Elementaren Tanz für die Arbeit mit Kindern“. So konnten in den gut gebuchten Panels jeweils zahlreiche Bezüge zu den theoretischen Inhalten des Vortages hergestellt, in der Praxis erprobt und diskutiert werden.

Die Auswertung der Tagung, zu der auch eine Publikation erschienen ist, dokumentiert, dass das Interesse an Weiterbildung und Professionalisierung im Bereich Tanz, Teilhabe und Transfer groß ist – zugleich aber auch der Wunsch nach Unterstützung von institutioneller, politischer und hochschulischer Seite als dringendes Desiderat erscheint. Insgesamt war die Fachtagung,  die von mehreren Bundesverbänden unterstützt wurde, ein großer Erfolg, so dass bereits engagierte Planungen für die nächste Fachtagung 2020 laufen.

Hier können Sie die aktuelle  Broschüre zur  Fachtagung: TANZ – TEILHABE – TRANSFER in der Kindheit downloaden.

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